Dieselskandal: Endlich Schluss mit "Durchwurschteln"

Veröffentlicht am 04.08.2017 in Bundespolitik

Ist der Diesel am Ende? (Bild: Norbert Aepli, Schweiz / CCBY)

„Betrug statt Innovation“ – dieses Fazit zog der Ortsvorstand der SPD Laupheim angesichts der neuerlichen Enthüllungen rund um die Betrugssoftware bei deutschen Autobauern der Premiumklasse. Seit Jahren werde realitätsfremd und zukunftsfern produziert. Die Autos würden immer größer und schwerer, legten an Pferdestärken immer mehr zu.

Im besten Fall bliebe der Verbrauch dabei stabil, im schlimmsten Fall stiegen die Feinstaubemissionen an. „Das ist der Höhepunkt eines lang andauernden Trauerspiels. Der jetzt aufgedeckte, massive und systematische Betrug deutscher KfZ-Hersteller wird unserer Wirtschaft nachhaltig schaden“, ist SPD-Ortsvorsitzender Robert Kreklau überzeugt.

Anderswo in die Welt, in den USA oder China seien kleine Revolutionen beim Bau von Elektrofahrzeugen und der Herstellung und Optimierung von Batterien zu beobachten. In Deutschland allerdings wurden diese Entwicklungen lange arrogant belächelt und weiterhin auf fossile Brennstoffe gesetzt.

Dabei ist spätestens seit den frühen Klimakonferenzen klar, dass der klassische Verbrennungsmotor keine Zukunft haben wird. „Man könnte fast den Eindruck gewinnen, dass mit aller Kraft versucht wurde, die Augen vor der Realität zu verschließen“, konstatierte Kreklau weiter.

Was den Ausstoß von Stickoxiden angeht, sieht der Ortsvorstand die Lösung nicht darin, nun sämtliche Dieselfahrzeuge zu verbieten. „Die Kunden haben ihre Fahrzeuge in dem Vertrauen erworben, dass sie sich damit auch in Innenstädten bewegen können. Verbietet man dies nun für alle Fahrzeuge ohne Euro 6, schadet man vor allem denen, die sich nicht immer das neueste Modell leisten können. In einigen Fällen kann dies sogar existenzgefährdend sein“, bemerkte der Laupheimer JUSO Jonas Prüssing. Auch an dieser Stelle muss die Industrie in die Pflicht genommen werden: „Wenn ein Produkt mangelhaft ist, kann man ja nicht den Benutzer dafür verantwortlich machen.“

„Die aktuelle Krise offenbart auch ein Versagen der Kanzlerin und ihres Verkehrsministers“, spitzte Gerhard Kleinböck MdL zu. Seit Jahren drücke man sich vor verbindlichen Zielen für die deutsche Autoindustrie. „Zunächst versprach Merkel die Elektromobilität, tat dann nichts dafür und begrub sie schließlich still und heimlich gemeinsam mit den Konzernchefs“, so der Abgeordnete.

In Brüssel habe die Kanzlerin alles dafür getan, schärfere Grenzwerte für den Ausstoß von Kohlendioxid zu verhindern und damit jeglichen Druck von den ohnehin widerwilligen Konzernen genommen, sich der Zukunft zu stellen. Diese riskierten letztendlich mit ihrem Verhalten neben ihrer eigenen Reputation auch hunderttausende Arbeitsplätze in der Branche. Sollten die technologischen Revolutionen andernorts stattfinden, wäre der Standort Deutschland in Gefahr.

„Der jetzige Skandal ist die konsequente Folge der jahrzehntelangen Zukunftsblindheit in den Konzernzentralen“, resümierte Kreklau, der neben der vollständigen Aufklärung des Betrugsskandals die Regierung in der Pflicht sieht, mit der Autoindustrie endlich eine gemeinsame Strategie für die Zukunft entwickeln. Dabei muss klar werden wohin die Reise technologisch gehen soll. „Wir brauchen ein abgestimmtes Konzept, damit das Durchwursteln ein Ende hat und endlich klar ist, wie Mobilität in Deutschland künftig aussehen soll.“

 
 

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